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Erfahrungsberichte

Das Flowin‐Training in Rückenprogrammen

Das Flowin‐Training in Rückenprogrammen

Hans-Dieter Kempf
www.dierueckenschule.de

Das Trainingsgerät Flowin und das dazugehörige Trainingskonzept Friction Training wird seit 2006 von der schwedischen Firma Flowin AB weltweit vertrieben und ist seit etwa 2008 auch auf dem deutschen Markt erhältlich.

Flowin ist eine Kombination aus einer festen bzw. aufrollbaren 140 x 100 cm großen Trainingsmatte und verschiedenen Auflagen (Pads) für Hände, Knie und Füße. Nach meiner Erfahrung lässt sich das Training mit dem Flowin besonders einsetzen zur Kräftigung der Rumpf-, Bein-, Hüft-, Arm- und Schultergürtelmuskulatur, zur Verbesserung der Gleichgewichtsfähigkeit und zur Verbesserung der Ausdauer unter Schonung der Gelenke (Slideprinzip). Während der Übungen wird mit Auflagen (Pads) über eine Übungsmatte geglitten. An der Berührungsfläche bzw. Grenzfläche der sich bewegenden Festkörper (Matte-Pad) entsteht (Gleit-)Reibung (engl.:friction), die wiederum die Bewegung hemmt. Der vom Benutzer durch Druck auf die Pads gesteuerte Einsatz des Reibungswiderstands wird zum Training genutzt. Dies ist besonders günstig bei kontinuierlichen Bewegungen. Allerdings wirkt bei Bewegungsbeginn bzw. bei Bewegungsumkehr immer die höhere Haftreibung, die zunächst überwunden werden muss. Durch das Material der Pads (Fließ, Neopren) wird die Haftreibung relativ gering gehalten, was dafür sorgt, dass die Widerstandsspitzen nicht zu hoch werden. Allerdings verändert sich die Haftreibung bei Verschleiß der Pads (Pads regelmäßig kontrollieren) oder bei Nässe auf dem Material (Handtuch im Training bereithalten).

Im Prinzip eignet sich das Training mit diesem Gerät für alle Altersgruppen und Fitnesslevels. Personen mit Kniebeschwerden können zwei Knie-Pads, ein Handtuch oder ähnliches als Unterlage nutzen und auf zu stark kniebelastende Übungen verzichten bzw. sie ersetzen. Bei Schulterproblemen könnten Seitstützübungen mit Wegschieben des Armes Probleme bereiten. Auf der Flowin-Matte kann mit einem Hand-Pad, beiden Hand-Pads, einem Fuß-Pad, beiden Fuß-Pads und der Kombination von Hand- und Fuß-Pads trainiert werden.
Das Knie-Pad wird als gepolsterte Unterlage für außerhalb der Matte stehende Körperteile, z. B. Füße, Knie, Unterarme und Hände genutzt. Die Nutzung auf den Hand-Pads kann durch die flache Hand, die Faust oder die Finger (leicht zu schwer) erfolgen. Die Steuerung der Trainingsintensität erfolgt durch Bewegungsabläufe, -radius und -geschwindigkeit sowie durch die Abstützpunkte für Hände, Unterarme, Knie und Füße. 

Eine Variation der Trainingsintensität ist möglich durch:

  • Die Reibung entsprechend dem Anpressdruck auf die Trainingsplatte (wenig Druck – viel Druck).
  • Die Anzahl und Platzierung der Abstützpunkte bzw. den Abstand der Kontaktpunkte (Hebel von sehr klein – sicheres Stabilitätstraining − bis zu Hebel sehr groß).
  • Die Bewegungsamplitude (klein zu groß).
  • Die Bewegungsgeschwindigkeit (langsam zu schnell).
  • Durch den Umfang (Wiederholungen, Pausen, Sätze).

Die Übungsausführung sollte ohne Ausweichbewegungen durchgeführt und der Rumpf bei den Ganzkörperübungen in der leichtesten Ausführungsform stabilisiert werden können.

Ich nutze das Flowin mittlerweile seit drei Jahren regelmäßig mindestens einmal innerhalb eines Rückentrainingskurses. Sind ausreichend Lagerungsmöglichkeiten vorhanden und müssen die Matten nicht transportiert werden, hat die feste Matte deutliche Vorteile gegenüber der rollbaren Gummimatte, da sie stabiler ist und gestellt werden kann. Um Beschädigungen an der empfindlicheren Gummimatte vorzubeugen, sollten die Teilnehmer möglichst nicht mit Schuhen auf der Matte stehen und den Rutschweg komplett auf der Matte durchführen (wichtig bei langen Bewegungswegen). Die Aufwärmübungen sind ideal zum sensomotorischen Training und zum Konditionstraining (Skilanglaufbewegung, Schlittschuhschritt) einsetzbar. Bei einem Training mit dem Flowin zeigten in einer ersten Messung die Sauerstoffkapazität (VO2max), die durchschnittliche Herzfrequenz und der Laktatwert höhere Werte als bei gleich anstrengenden Trainingseinheiten Stepp-Aerobic und Body Workout (Kazimir et al. 2009). Der Vorteil des Trainings mit dem Flowin liegt in der Reduzierung einer Stoßbelastung der unteren Gelenke. Da es sich um Gleitbewegungen handelt, ist es für die Trainierenden wichtig, eine günstige Schwerpunktlage ihres Körpers zu finden. Einsteiger oder unsichere Teilnehmer sollten zuerst Bewegungen mit kleiner Amplitude und vielen Abstützpunkten durchführen.

Das Training mit dem Flowin erfordert in der Regel eine hohe Arbeit der Rumpfstabilisatoren.
Die Übungsauswahl sollte vom Kursleiter methodisch nach den bekannten Prinzipien (z. B. leicht zu schwer, einfach zu komplex) so abgewechselt werden, dass die Belastungen für die einzelnen Gelenke wechseln, z. B. nicht zu viele Übungen im Unterarmstütz oder Handstütz hintereinander durchführen. Nach den Aufwärmübungen und den Kräftigungsübungen können die Pads auch für Beweglichkeitsübungen eingesetzt werden.

Eine abschließende Entspannung lässt sich auch auf der Matte, gegebenenfalls mit einem Handtuch als Unterlagedurchführen.
Das Flowin ist eine sehr gute Ergänzung zu anderen Trainingsgeräten, die in der Rückenschule und im Rückentraining Einsatz finden. Auch sehr gut trainierte Personen und Leistungssportler können davon profitieren. Wünschenswert wären zukünftig weitere Studien, insbesondere über die Wirksamkeit des Gerätes für die Rumpfmuskulatur.

Übungen für Flowin finden Sie in unserem Bereich Training & Übungen.

 

 

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